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DIALOGUE – Collection Presentation


01. Mai 2026 – 31. Dezember 2026

Neuer Austellungsort im 4.OG
Besichtigungen und Führungen sind jeden Samstag zwischen 12:00 und 18:00 Uhr möglich.

Manche Affinitäten lassen sich nicht erklären – nur erkennen.
Finnland und Ostasien verbindet mehr, als sie durch die Entfernung trennt. Eine gemeinsame Stille. Eine Zuneigung zur Reduktion, zur Geste, zum Material als Träger von Bedeutung. Das Verständnis, dass das Wesentliche selten laut ist. Die Miettinen-Sammlung, eine finnische Privatsammlung mit Sitz in Berlin, hat diese Haltung von Anfang an gepflegt. Ihre Affinität zur ostasiatischen Kunst – zu japanischen, koreanischen und chinesischen Positionen – ist kein kuratorisches Programm, sondern eine Überzeugung. Eine gewählte Verwandtschaft, die sich über Jahrzehnte und Tausende von Kilometern hinweg immer wieder bestätigt hat.
Nach einem Umzug und einer langen Renovierungsphase eröffnet die Sammlung ihre neuen Räumlichkeiten. Es war eine bewusste Entscheidung, diesen Moment nicht mit einer repräsentativen Übersichtsausstellung zu begehen, sondern mit Künstler*innen, die der Sammlung besonders nahe stehen – Künstler*innen, die ihre Identität mitgeprägt haben. Die Ausstellung ist eine Einweihung im wahrsten Sinne des Wortes: eine Ankunft, keine Performance.
Im Mittelpunkt stehen vier Positionen, deren Werke in einen intensiven Dialog miteinander treten.

Leiko Ikemura wurde in Japan geboren und wuchs in Europa auf – in Spanien, der Schweiz und Deutschland. Seit Jahrzehnten lebt und arbeitet sie zwischen Köln und Berlin, lehrte an der Universität der Künste Berlin und unterrichtet an der Joshibi University in Kanagawa. Ihr Werk – Malerei, Skulptur, Zeichnung – bewegt sich an Grenzen, die sich einer Benennung entziehen. Der Körper wird zur Landschaft. Eine östliche Bildsprache reibt sich an einer westlichen.
Ihre Figuren sind keine Porträts. Es sind Seinszustände. Wesen, die sich verwandeln, auflösen und wieder auftauchen. Ikemura hat eine Sprache entwickelt, die keinem einzigen Ursprung ganz und gar zuzuordnen ist – und genau das macht sie so unmittelbar.
Lee Ufan – 1936 in Korea geboren, seit Jahrzehnten zwischen Kamakura und Paris pendelnd – ist einer der einflussreichsten Denker der zeitgenössischen Kunst. Als Mitbegründer der japanischen Mono-ha-Bewegung entwickelte er eine Kunst des Innehaltens: der einzelne Pinselstrich, der einzelne Stein, der Raum zwischen den Dingen als wahrer Ort des Geschehens. Seine Werke stellen keine Fragen – sie eröffnen einen Zustand.
Lee Bae führt Ufans Denken weiter – doch in seine eigene Richtung, mit seinem eigenen Atem. 1956 in Korea geboren, lebt er seit 1989 in Paris und hat sich in seiner Praxis der Kohle verschrieben. Einem Material, das das Feuer kennt, das einst Wald war, das Zeit in sich trägt. In seinen tiefschwarzen Oberflächen liegt etwas Unerwartetes: Fülle. Das Verdichtete, das Überlebte. Wo Ufan den leeren Raum hinterfragt, füllt Lee Bae ihn mit dem Gewicht der Materie. MIETTINEN-SAMMLUNG

Leena Luostarinen (1949–2013) war eine der bedeutendsten finnischen Malerinnen ihrer Generation. Ihre farbenintensiven, symbolträchtigen Werke – Großkatzen, Sphinxe, Lotusblüten, balinesische Schatten – zeugen von einer Frau, die in fernen Kulturen nicht das Fremde suchte, sondern das Vertraute. Luostarinen reiste viel, übertrug das Gesehene in ihre Gemälde und verwandelte es in etwas zutiefst Persönliches.

Was sie in der asiatischen Bildsprache fand, war kein Zitat. Es war Wiedererkennung. Und sie steht in einer langen Tradition finnischer Künstler, die in der Stille des Ostens etwas wiedererkannten, das sie bereits aus ihrem eigenen Norden kannten.
Diese Verbindung hat eine lange Geschichte. Seit dem späten 19. Jahrhundert fanden finnische Künstler in der japanischen Ästhetik etwas zutiefst Vertrautes: die Liebe zur Natur, ein Misstrauen gegenüber dem Überflüssigen, eine Ehrfurcht vor dem Material selbst. Die schneebedeckten Landschaften der finnischen Nationalromantik spiegeln Hokusais Fuji wider; das schlichte Steingut der Mingei-Bewegung findet seinen Widerhall in der Keramik des finnischen Modernismus. Es ist ein stiller Dialog, der bis heute andauert.
Diese Ausstellung setzt ihn fort – in neuen Räumen, mit Werken, die diese Sammlung zu dem gemacht haben, was sie ist. Es gibt nicht viele Künstler, die man sich wirklich ans Herz legt. Diese gehören dazu.