MARKUS JÄNTTI ONCE UPON A TIME
16. Januar 2026 – 07. Februar 2026
Besichtigungen und Führungen sind jeden Samstag zwischen 12:00 und 18:00 Uhr möglich.Das Wesen der Zeit, der Vollendung und der Kommerzialisierung sind Themen, die sowohl in der Kunst von Markus Jäntti als auch in der feinen Gesellschaft, die hierin dargestellt wird, eine Rolle spielen. Dabei soll die Zeit reduziert werden, um schneller ans Ziel der Vermarktung zu gelangen.
Jäntti beschäftigt sich mit dem visuellen Vokabular von Luxusmarken und untersucht deren zeitliche Einordnung. Er geht mit den Beobachtungen von John Berger konform, dass Werbung sich niemals auf das Hier und Jetzt bezieht. Durch seine Aneignung der visuellen Codes und der gewinnorientierten Phrasen von Luxuslabels greift der Künstler genau diese zeitliche Verschiebung auf. Unternehmen – von der Automobilbranche bis zur Bekleidungsindustrie – verwandeln mit ihrer Kommunikationsstrategie die nostalgische Sehnsucht nach einer vergangenen Belle Époque, die wahrscheinlich nur in der übermächtigen Medienpräsenz dieser Megamarken existiert, in Kapital.
Die Berger’sche „Nicht-Gegenwart“ ist ein idyllisches und wunderschönes Reich, das Jäntti mit Ölfarben, Aquarell und Bleistift zum Leben erweckt. In Once Upon a Time hat er Motive daraus auf die robuste, absorbierende Oberfläche von MDF-Platten gemalt. Trotz seines organischen Aussehens ist das Material MDF ironischerweise giftig, wenn man es einatmet. Wenn uns die Werbung also eines gelehrt hat, dann, dass der Schein trügen kann! Die Welt dieser Gemälde ist in ihren Bildern betörend und verleitet zu verträumter Kontemplation. Unter der ganzen Beschaulichkeit liegt aber auch ein Anflug von Sexualität, der an eine Maxime der Werbewelt denken lässt und auf Produkte aller Art angewandt wird: Sex sells.
Diese Art von Kontemplation nennt der Kunsthistoriker Harmon Siegel in seinem Essay Die „Avantgarde“ beginnt erst nach der Ziellinie (2025) „Schauen“ und eben nicht „Beobachten“. Bei einem Pferderennen, das man „beobachtet“, ist die Ziellinie klar vorgegeben, aber bei der Produktion und auch beim „Betrachten“ von Kunst ist der Endpunkt eher unklar. Jäntti liebt es, die Vollendung zu umgehen; seine Aquarelllinien, die sich von seinem Pinsel gelöst haben, fließen weiter feucht über die Oberfläche. In der Instrumentalisierung des Horror vacui bleiben zentrale Sujets als Silhouetten zurück und laden zu ausgedehnten Tagträumen über ihren Inhalt ein.
Leuchtende Pigmente, die sofort ins Auge springen, werden im Hintergrund platziert, während der Vordergrund oft in gedämpften matten Farben gehalten ist – was das Auge verunsichert und es in leichter Unruhe verharren lässt.
Jäntti gibt sich der Fantasie an diese idyllischen Visionen hin und erinnert uns gleichzeitig an ihre Unwirklichkeit. Ohne die Gefühle, die mit jeglichem Konsum einhergehen, zynisch zu verspotten, macht der Künstler deutlich, wie diese Bindungen hergestellt, stilisiert und an uns zurückverkauft werden. Durch seine sensible (De-)Inszenierung einer veränderbaren, sich im Fluss befindlichen Szenerie stößt Jäntti den Betrachter auf das Unbehagen, das diese unvermeidlichen Schnäppchen hervorrufen. Leere Räume und Pigmente dringen durch kleine, unbezähmbare Tropfen in die strukturierten Oberflächen seiner Gemälde ein.
Die Zeitlichkeit, die Figuren und die Perspektive in ihnen erscheinen dadurch ebenso unscharf wie die Pferde, die beim Prix de l’Arc de Triomphe oder beim Kentucky Derby vorbeirasen.
Das Werk von Markus Jäntti umfasst Malerei, Druckgrafik und Skulpturen aus Glas. Hierin geht es um Außenseitertum, visuelle Überfülle und die Schnittstellen zwischen Hoch- und Populärkultur, was er anhand von Motiven aus der Luxusindustrie und des Reitsports aufzeigt. Im April 2026 eröffnet in Stockholm seine zweiteilige Einzelausstellung im Finlandsinstitutet und im Grafiska Sällskapet. Jänttis erste Soloausstellung in Helsinki wird im August 2026 in der Galleria Halmetoja stattfinden. Im Anschluss beginnt sein dreijähriges Stipendium bei der Pro Artibus Foundation in Finnland.
Ella Krivanek













